Kitsch

 

der mensch ist ein visuelles wesen. die so genannte "visuelle intelligenz" beansprucht fast die hälfte der menschlichen großhirnrinde. sie erschafft die komplexen visuellen wirklichkeiten, in denen die menschen leben, sich bewegen und interagieren. design sollte in den augen der funktionalistInnen den "guten geschmack" in der breiten bevölkerung implantieren. was nicht ins dogma der "guten form" passte, fiel bei ihren hütern unter das verdikt des "kitsches".

 

der kitschvorwurf ist elitär.

 

kitsch ist gemeinhin die bezeichnung für geschmacklose und minderwertige erzeugnisse, welche den anspruch erheben, kunstwerke zu besitzen. die bilderwelten des kitsches nehmen im leben der heutigen menschen einen großen raum ein. was kitschige objekte charakterisiert, ist ihre (bewusste oder unbewusste) verfälschung der wirklichkeit. wesentliches fundament des kitsches ist die (selbst-) täuschung. er will die illusion, nicht die wirklichkeit darstellen. eher eine scheinwelt der tagträume und fantasien, eine schiefe gegenwelt zum alltag (glamour, reichtum, billiges glück) kitsch ist auf sehnsuchtswerte gerichtet, die unbefriedigte bedürfnisse leicht konsumierbar , ohne irgendwelches kritisches potenzial ausgleichen. kitsch absorbiert und lenkt ab, indem er je nach umstand an wünsche, gefühle oder sinne appelliert: naturliebe, kinderliebe, familiensinn, positive helden, erotik, pornografie oder religiosität.

 

(zitate-quellen: Dtv-Lexikon der Kunst, 1996 Beat Schneider, Penthesilea, S381f. Christoph Bignes, Swiss Style, S.70 Beat Schneider, 20. Design - Geschmack und Kitsch)